Regenbogenschule / Hattersheim

Deutsch als Zweitsprache - Konzept

DAZ-Konzept der Regenbogenschule

1.Ausgangslage

 1.1    Einzugsgebiet

Die Stadt Hattersheim hat von allen Gemeinden im Main-Taunus-Kreis den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Da das Einzugsgebiet der Regenbogenschule sehr stark von sozialem Wohnungsbau geprägt ist, hat dies große Auswirkungen auf die Zusammensetzung unserer Schülerschaft.

Zwischen 70- und 80% der Schüler haben einen Migrationshintergrund. Je nach Jahrgang wird in mindestens 60% der Familien zu Hause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen. 32 Nationalitäten sind z.Z. an der Schule vertreten. Wichtigste Sprachen sind Türkisch (ca. 1/4 der Schülerschaft), Italienisch, Paschtu, Urdu, Arabisch, Albanisch, Serbisch/Kroatisch, Russisch, Polnisch und Rumänisch.

In letzter Zeit ist vermehrt ein Zuzug von Roma-Familien aus Rumänien zu beobachten. Jedes Jahr ist von ca. 5-6 Seiteneinsteigern (2% der Schülerschaft) auszugehen.

1.2    Lebenssituation der Familien

Neben dem Migrationshintergrund  ist die Situation vieler Familien geprägt von beengten Wohnverhältnissen, Arbeitslosigkeit, sozialer Randständigkeit und familiärer Problematik. Zu den Sprachproblemen kommen bei diesen Kindern andere hinzu, wie beispielsweise mangelnde Unterstützung in schulischen Belangen, unvollständiges Schulmaterial, Selbstversorgung am Nachmittag etc. Aus dem Sozialbericht des Main-Taunus-Kreises wird immer wieder deutlich, dass Hattersheim im Kreis den traurigen "Rekord" nicht nur bei familienunterstützenden Maßnahmen, sondern auch bei der Anzahl der Sozialhilfeempfänger etc. belegt.

2. Konsequenzen für die Förderung

Die Regenbogenschule versteht sich als Schule für alle Kinder. Aufgrund der gegebenen Situation ist daher die Förderung der Kinder ein besonderes Anliegen der schulischen Arbeit. Ein Schwerpunkt ist die Arbeit im DAZ-Bereich, die in dieser Form auch im Schulprofil verankert ist. Zur DAZ-Arbeit zählen:

- Vorlaufkurse;

- Deutsch&PC; im 1. und 2. Schuljahr;

- Sprachförderung im 3. und 4. Schuljahr;

- Sprachförderung in der Vorklasse;

- Intensivkurse

Indirekt zählt auch der herkunftssprachliche Unterricht zur DAZ-Förderung.

Neben den Fördermaßnahmen im sprachlichen Bereich gibt es Fördermaßnahmen in anderen Bereichen. Wie in 1.2. beschrieben haben viele Kinder nicht nur im sprachlichen Bereich Probleme, so dass zusätzliche andere Maßnahmen notwendig sind.

2.1. Direkte Fördermaßnahmen im sprachlichen Bereich

 2.1.1. Vorlaufkurse

Die Regenbogenschule führt z.Z. 3 Maßnahmen in  Kindergärten, die überwiegend von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden, durch. Diese werden vereinzelt auch von Kindern aus anderen Kitas besucht.

Die Vorlaufkurse finden jeden Tag von 8.00-8.45 statt. Die teilnehmenden Kinder (zwischen 20 und 30) haben alle einen Migrationshintergrund.

Es wird nach dem Konzept "Deutsch für den Schulstart" gearbeitet. Auch die Diagnose erfolgt nach diesem Konzept während bzw. parallel zur Schulanmeldung.

Die geförderten Kinder befinden sich erfahrungsgemäß mit wenigen Ausnahmen in der "Phase 1" der Zweitsprachentwicklung, die anderen in der "Phase 2".

Durchgeführt werden die Vorlaufkurse vom Stammpersonal der Regenbogenschule. Fast alle Mitglieder des Kollegiums haben bereits Vorlaufkurse durchgeführt.

Die Vorlaufkurse finden in enger Kooperation mit den Kitas statt. Generell besteht im Rahmen des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans eine enge Zusammenarbeit mit den Kitas (regelmäßige Kooperationsrunden, gemeinsame Fortbildungen, Projekt "Bücherkumpels", bei dem Schulkinder Kindergartenkindern vorlesen).

Verantwortlich für den Bereich Vorlaufkurse: Fr. Kretschmer


 2.1.2. Deutsch&PC;

Im Rahmen von "Deutsch&PC;" - einem gemeinsamen Projekt des Hessischen Kultusministeriums und der gemeinnützigen Hertie-Stiftung werden je 6-8 Schülerinnen und Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen in den Jahrgangsstufen 1 und 2 parallel zum Klassenverband in Fördergruppen unterrichtet.

Der Unterricht wird nach dem geltenden Lehrplan der Grundschule erteilt, wobei den Schülern ein sprachlich besonders intensiver Unterricht angeboten wird. Klassen- und Förderlehrerin kooperieren dabei intensiv.

Die Anzahl der Förderstunden beträgt pro Klasse in der Jahrgangsstufe 1 11 Stunden, in der

Jahrgangsstufe 2 6 Stunden. Aufgrund der Personalstruktur ist es derzeit noch nicht möglich, den D&PC-Unterricht; komplett parallel zu organisieren, dies wird aber ab dem Schuljahr 2012/13 angestrebt.

Verantwortlich für den Bereich Deutsch&PC;: Fr. Diem

 

2.1.3. Sprachförderung im 3. und 4. Schuljahr

Im 3. und 4. Schuljahr finden weitere Fördermaßnahmen im Bereich DAZ statt. Im Rahmen des Klassenförderunterrichts sowie des klassenübergreifenden Förderunterrichts gibt es eine Reihe von Stützkursen v.a. im schriftsprachlichen Bereich.Davon profitieren vor allen Dingen Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. In weiteren Förderangeboten (Hörclub, Theater-AG) werden ebenfalls gezielt sprachliche Fähigkeiten trainiert.

Die Ressourcen für diesen Förderunterricht kommen aus dem Bereich DAZ, aus den Klassenförderstunden sowie aus verschiedenen anderen Ressourcen (Zusammenlegung von Sportgruppen etc.).

Verantwortlich für den Bereich Förderkurse 3./4. Schuljahr: Hr. Müller-Halberstadt

 

2.1.4. Sprachförderung in der Vorklasse

Es wird kein Kind, das einen Vorlaufkurs besucht hat, nur aufgrund mangelnder sprachlicher Reife in die Vorklasse zurückgestellt. Anlass für die Zurückstellung, die fast immer auf Wunsch oder im Konsens mit den Eltern erfolgt, sind Entwicklungsrückstände im kognitiven oder emotional-sozialen Bereich.Dennoch gibt es viele Schülerinnen und Schüler in der Vorklasse, die auch im sprachlichen Bereich noch erhebliche Rückstände aufweisen.

Diese Kinder werden im Rahmen der Vorklassenarbeit intensiv gefördert und erhalten zusätzliche Unterstützungskurse (Wortschatz; Aussprache, Grammatik).

Verantwortlich für den Bereich Vorklasse: Fr. Tuller

 

2.1.5. Intensivkurse

Wie bereits dargelegt, ist jedes Jahr ist von ca. 5-6 Seiteneinsteigern auszugehen. Diese werden in kleinen Gruppen intensiv gefördert. Aus Haushaltsmitteln stehen dafür zwischen 5 und 10 Stunden zur Verfügung. Es wird mit dem Lehrwerk gearbeitet.

Verantwortlich für den Bereich Intensivkurse: Hr. Pfeffer

 

2.1.6. Herkunftssprachlicher Unterricht

Das Beherrschen der Muttersprache sichert nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch das Erlernen der Zweitsprache. Z.Z. gibt es an der Regenbogenschule Türkisch- und Arabischunterricht.

2.2. Fördermaßnahmen in anderen Bereichen

Zu den sprachlichen Fördermaßnahmen kommen Maßnahmen anderer Art, die die eigentliche Sprachförderung unterstützen und begleiten. Sie dienen dazu, die Lernbereitschaft der Kinder zu stärken und die Kooperation mit dem Umfeld zu verbessern.

2.2.1. Schulsozialarbeit

Als ein eigenständiges Angebot der Jugendhilfe, das jeweils zur Hälfte von der Stadt Hattersheim und dem Main-Taunus-Kreis finanziert wird, besteht die Schulsozialarbeit an der Regenbogenschule seit September 2006.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Schulsozialarbeit gehören:

-   Prävention im Klassenverband

Unter Federführung der Schulsozialarbeit werden Unterrichtsangebote zum Sozialen Lernen und zur Gewaltprävention gemacht.

-   Kompensation für Kleingruppen

Für sozial benachteiligte und auffällige Schülerinnen und Schülern werden Psychomotorik, Spieltraining und eine Gruppe zur Förderung des Gruppenverhaltens und zur Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben angeboten.

-   Einzelfälle

Die Schulsozialarbeit führt bei Erziehungs- und Schulschwierigkeiten Elterngespräche und vermittelt gegebenenfalls an andere Institutionen. Sie arbeitet eng mit den Klassenlehrerinnen zusammen und kooperiert bei Bedarf mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Amtes für Jugend, Schulen und Sport im Main-Taunus-Kreis.

-   Begleitung der Übergänge

Die Übergänge vom Kindergarten in die Grundschule und von der Grundschule zur weiterführenden Schule werden auch von der Schulsozialarbeit mit abgestimmten Angeboten zur Übergangssituation begleitet. Durch eine frühe Kontaktaufnahme mit den beteiligten Institutionen werden in Einzelfällen gezielte Übergabegespräche geführt.

-   Kooperation

Eine gute Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und deren Mitarbeitern stellt eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Hilfsangeboten für Schüler und Eltern dar. Darum fördert die Schulsozialarbeit die Kooperation zwischen den eigenen Angeboten, der Schule, den Eltern, den außerschulischen Betreuungseinrichtungen und den Fachdiensten der Jugendhilfe.

2.2.2. Förderwerkstatt

Die Förderwerkstatt beinhaltet klassenübergreifende Förderangebote. Dazu gehören u.a.

- Psychomotorik für Kinder des 1. Schuljahres;

- Konzentrationstraining: Ein Kollege, der sich entsprechend fortgebildet hat, unterstützt im Rahmen des "Marburger Konzentrationstrainings" und verbessert so die Lernbedingungen der Schüler;

- Sprachheilarbeit. Viele Kinder haben auch aufgrund von Problemen auf der phonetisch-phonologischen Ebene Probleme mit dem Zweitspracherwerb.

3. Kooperationen

Im Rahmen verschiedener Kooperationen versucht die Regenbogenschule, die interkulturelle Kompetenz der Schule zu stärken und einen noch besseren Zugang zur Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler zu finden.

3.1. Stadtteilbüro

Das "Stadtteilbüro" in der "Siedlung" organisiert Hausaufgabenhilfe, führt Projekte mit den Bewohnern durch, bildet Streitschlichter aus und organisiert regelmäßige Feste. Ein Mitarbeiter des Stadtteilbüros beteiligt sich regelmäßig an schulischen Veranstaltungen wie beispielsweise am "Apfelfest" der 1. Klassen.

3.2. Integrationslotsen

Die ehrenamtlich tätigen Integrationslotsen, die an  das Stadtteilbüro angebunden sind, haben selbst einen Migrationshintergrund (Türkei, Marokko, Korea, Russland) und stehen bei Problemen und Konflikten vermittelnd und beratend zur Seite. In etlichen Fällen wirkte sich dies hilfreich auch auf die schulische Leistung von Kindern aus.

3.3. Ausländerbeauftragte

Auch die Ausländerbeauftragte der Stadt Hattersheim, Fr. Dreher, unterstützt die Arbeit der Schule durch interkulturelle Beratung, Organisation von Unterstützungsangeboten und enge Kooperation.

Überarbeitete Fassung von der Gesamtkonferenz am 7.3.2012 einstimmig angenommen.